Spock’s Beard rockt den Essig aus der Fabrik

Spock’s Beard wurde in der Kölner Essigfabrik von Sixxis supported. Sixxis konnte als Vorband überzeugen. (Daniel hat die CD gekauft – allerdings nach drei Kölsch.) Wir hatten dabei gar nicht mit einer Vorband gerechnet, da auf keiner Ankündigung hiervon die Rede war.
Sixxis spielt dabei einen harten Rock, der einen Zug nach vorne hat und dabei aber auch viel Pop-Anlehnungen aufweist.

Nightliner Spock's Beard Köln 2014

Nightliner Spock’s Beard Köln 2014

Positiv aufgefallen sind vor Allem der mehrstimmige Gesang und die Gitarrenparts. Der Sänger erinnerte dabei teilweise an einen Heavy Metal der 70er Jahre und konnte mit einer auch live guten vocal range glänzen. Obwohl der Schlagzeuger vollen Einsatz zeigte, fiel das Drumming zwar solide aus, dabei aber auch gegenüber dem Album etwas zurück und dürfte ruhig etwas aufregender gestaltet werden.

Die Band insgesamt wirkte auf der Bühne und auch persönlich sehr frisch und begeistert. Es war angenehm eine Band zu erleben, die so heiss auf Musikmachen ist. Ein Stream des neuen Albums Hollow Shrine ist derzeit auf Prognews/teamrock.com verfügbar.

Spock’s Beard fiel schon vor ihrem eigentlichen Auftritt durch die anzüglichen Sound-Titel wie „My Ass is Wet“ auf Ryo Okumotos Macbook auf und sorgten damit schon vor der Show für Heiterkeit vor der Bühne. Wie erhofft präsentierte sich Spock’s Beard technisch versiert, überzeugend und mit dem für sie typischen, sofort erkennbaren Sound.

Die Band machte wie immer Laune und regte zum Mitmachen an. Vor Allem Alan Morse wurde nicht müde, das Publikum zu animieren. Immer wieder beeindruckend ist es live zu sehen, wie Morse – für das Genre relativ unüblich – seine Gitarre mit innovativem Fünffingerspiel der Schlaghand beherrscht und trotzdem Power und Geschwindigkeit herausholt. Dave Meros zeigte eine oberflächlich betrachtet unauffällige Performance, jedoch ist er mit mit seinem knalligen Bassspiel maßgeblich für den Spock’s Beard-Klang verantwortlich gewesen.

Das herausragende Keyboard-Spiel von Ryo Okumoto mit dem typischen Hammond-Sound ist sicherlich ein weiteres Erkennungsmerkmal.
Der 2011 dazugestossene Enchant-Sänger Ted Leonard wusste ebenfalls zu überzeugen. Auch wenn er stimmlich manchmal etwas dünn wirkt, ist seine Stimme doch einzigartig, live überzeugend und kann mit seinen Vorgängern mithalten. Drummer Jimmy Keegan hat sich an dem Abend nicht nur „den Arsch abgetrommelt“ [Sebastian], sondern auch mit der Solo-Gesangsleistung bei „Carie“ überzeugt.
Beide Bands suchten nach dem Konzert den Kontakt zu den Fans, was den bis dahin schon tollen Abend perfekt machte.

Die Essigfabrik konnte als Veranstaltungsort und auch soundmäßig durchaus überzeugen.
Es ist dabei etwas verwunderlich und auch schade, dass zu einer für den 90er/2000er ProgRock fast genre-definierenden Band wie Spock’s Beard mit einer durchaus guten Vorband nur 150-200 Zuschauer den Weg in die Essigfabrik gefunden haben.

Hier nochmal die Setlist zum nachhören.